Druck – Kunst

In unserem diesjährigen Galerieprogramm haben
wir zwei Einblicke in das Feld der Druckkunst vorgesehen.
Die Erläuterungen zu diesen beiden Ausstellungen
finden Sie per Klick unter
mehr lesen 2 und mehr lesen 3

Ohne speziellen Bezug zu diesen Ausstellungen
hier Informationen zum Thema Druckkunst:

A
Aufnahme der künstlerischen Drucktechniken in das Bundesweite Verzeichnis
des Immateriellen Kulturerbes

Dass die künstlerischen „Drucktechniken des Hochdrucks, Tiefdrucks, Flachdrucks, Durchdrucks und deren Mischformen“ im März 2018 von der Deutschen Unesco-Kommission in das Bundesweite Verzeichnis des Immateriellen Kulturerbes aufgenommen wurden geht auf die gemeinsame Bewerbung des Leipziger Museums für Druckkunst
und des Bundes Bildender Künstlers zurück.

In diesen Vorgang ist auch die Anwendung der betreffenden Drucktechniken durch Künstlerinnen und Künstler einbezogen
Der 15. März wird seither jährlich als „Tag der Druckkunst“ begangen.

Den historischen Prozess der Trennung zwischen manuell – handwerklich gefertigten
Druckarbeiten und rein industriell gefertigten Drucksachen beschreibt die Unesco-Kommission folgendermaßen:

Gedruckte Text- und Bildmedien sind seit mehr als 500 Jahren Teil der europäischen Kultur und Wissensgesellschaft. In Deutschland stehen Johannes Gutenberg und Albrecht Dürer stellvertretend für die Anfänge dieser Innovation. Gutenbergs Entwicklung der beweglichen Lettern um 1450 begründete den Hochdruck und führte dazu, dass Wissen nun von Einzelnen an viele Menschen weitergegeben werden konnte.
Seit 1500 bis Ende des 18. Jahrhunderts waren der Kupfertiefdruck und der Hochdruck die einzigen Medien für bildliche Darstellungen. Ab 1800 kamen der Steindruck und ab 1850 der Lichtdruck als neues Flachdruckverfahren hinzu, mit denen auch mehrfarbige Reproduktionen möglich wurden. Um 1900 kam das Durchdruckverfahren des Siebdrucks mit seitenrichtiger Vorlage auf. Alle anderen Verfahren basieren auf einer manuell hergestellten, seitenverkehrten Druckvorlage. Mitte des 19. Jahrhunderts erfolgte unter Beibehaltung der Grundprinzipien der Übergang von der Handwerkstechnik zum industriellen Druck. Die Handpressen wurden von den Druckmaschinen verdrängt.
Die Künstlergruppe „Die Brücke“ um 1910 oder die Collagenkunst des „Dada“ um 1920 sind zweifellos Höhepunkt der künstlerischen Auseinandersetzung mit Drucktechniken.
Damit konnte erstmals eine Demokratisierung der Kunst einsetzen, denn durch die Auflagen sank der Preis und der Kundenkreis für Kunst wurde größer.
Mit der Einführung des Offsetdrucks und des Fotosatzes in den 1960er Jahren sowie der Umstellung von der manuellen auf die computerbasierte Herstellung von Druckvorlagen in den 1990er Jahren kam es zu einer endgültigen Trennung zwischen manuell-künstlerischen und rein industriell gefertigten Drucksachen.
(https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/drucktechniken)

Nach unserem Eindruck signalisiert die Aufnahme der künstlerischen Drucktechniken in das Unesco-Verzeichnis mit der damit verbundenen Anerkennung und Aufmerksamkeit
gleichzeitig auch, dass es sich dabei um einen potentiell vom Schwinden bedrohten und deshalb schützenswerten Kulturbereich handelt.

Die Unesco-Komission t sieht das eher optimistisch:

Von den 60.000 bei der Künstlersozialkasse gemeldeten Künstlern/innen in Deutschland waren auf Basis einer Umfrage des Bundesverbands Bildender Künstlerinnen und Künstler (BBK) im Jahr 2014 rund 20.000 druckgrafisch tätig. Viele von ihnen besitzen Druckmaschinen, mit denen sie nicht nur eigene druckgrafische Werke anfertigen, sondern auch Technik und Wissen in Form von Workshops, Symposien, Kursen und Weiterbildungen vermitteln, oft in Kooperation mit Museen, Vereinen, Schulen, Kunst- und Fachhochschulen, Volkshochschulen und Druckwerkstätten. Zusätzlich sind es vor allem Kunsterzieher/innen sowie Museumspädagogen/innen, die an den genannten Institutionen die Drucktechniken erhalten, pflegen, weitergeben und vermitteln. In Deutschland fördern die Verbände des BBK die Druckgrafik durch Einrichten von Druckwerkstätten, Organisation von Drucksymposien und Ausstellungen.
(https://www.unesco.de/kultur-und-natur/immaterielles-kulturerbe/immaterielles-kulturerbe-deutschland/drucktechniken)

Eine eindrucksvolle ehrenamtliche Initiative zugunsten der Pflege künstlerischer Drucktechniken ist die Ulmer Druckwerkstatt, auf die wir hier aufmerksam machen möchten.
( www.druckwerkstatt-ulm.de)

B
„Land der Grafik“

Unter diesem vielleicht überraschenden Motto
arbeitet das Dresdner Institut für Kulturstudien
seit 2015 an einem überregionalen Ausstellungs- und Forschungsprojekt zum Thema
Druckgrafik in der DDR.
(http://www.kulturstudien-dresden.de/wa_files/KONZEPT_LAND_20DER_20GRAFIK.pdf)

Bei Fachleuten, aber auch unter Kunst-Neugierigen und Sammlern ist dieser Blick
seit langem Konsens
– auch wenn das „facettenreiche Phänomen“ der Grafik in der DDR
und seine weitere Entwicklung dabei nicht voll im Blick sein mag.

Einige der öffentlich gut wahrnehmbaren aktuellen Akteure innerhalb des Phänomens
sind beispielweise

– die Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig
(https://www.hgb-leipzig.de)
sowie
(https://de.wikipedia.org/wiki/Hochschule_f%C3%BCr_Grafik_und_Buchkunst_Leipzig)
– die Grafikstiftung Neo Rauch in Aschersleben mit ihren Ausstellungsaktivitäten
(www.grafikstiftungneorauch.de)
– die Berliner Galerie Nierendorf
(nierendorf.com)
– der von einem ehrenamtlichen Verein organisierte, außerordentlich
publikumswirksame und auch wirtschaftlich erfolgreiche Dresdner Grafikmarkt
(https://www.dresdner-graphikmarkt.de).

Uns interessiert, ob sich aus alldem eventuell etwas wie eine Art
„Arche der Druckkunst“ zusammendenken oder zusammenbauen lässt .

Mit dieser Frage freuen wir uns auf das Künstlergespräch mit Sebastian Speckmann
aus Leipzig, das wir bei der für Sonntag 21. Juni 2020 geplanten
Eröffnung seiner Ausstellung führen möchten.